Ahlen: Alles ganz schön haarig

Nach der Ankündigung der Kanzlerin, dass die Friseure am 1. März wieder öffnen können, klingelte das Telefon bei Andreas Nolde in einem fort. „Ich habe danach eine Rufumleitung installiert“, erzählt der Friseurmeister in der kurzen Pause, die er am Montagvormittag in seinem Salon am Marktplatz einlegt. Drei Kundinnen und ein Mann dürfen sich da bereits über die frisch gestylte Haarpracht freuen.

Mitternachtsöffnung keine Option

Endlich wieder das Handwerkszeug in die Hände nehmen zu können, auf diesen Zeitpunkt haben auch die vier Mitarbeiterinnen des Hammers in seinem La Biosthétique-Salon sehnlich gewartet. Aber deshalb schon – wie einige Kolleginnen und Kollegen – nach Mitternacht zu öffnen, war für Andreas Nolde keine ernsthafte Option. „Ich kann hier keinen Schichtbetrieb einführen“, erläutert er. Im Übrigen gebe es auch noch die Arbeitszeitregelungen, an die er gebunden ist. Und selbst wenn er als Chef länger arbeiten könne, sei irgendwann der Zeitpunkt erreicht, an dem nichts mehr geht.

„Knallvoll“, bestätigt Andreas Nolde, ist der Terminkalender in den nächsten 14 Tagen. Ende des Monats sieht es dann wieder etwas luftiger aus. „Aber selbst die Kunden, die jetzt anrufen und einen späten Termin bekommen, sind so froh“, gibt er an Reaktionen weiter, was er in vielen Telefonaten erfährt.

Andreas Nolde hat einen Luftfilter angeschafft. Ein zweiter sei zurzeit nicht zu kriegen, berichtet er.

Andreas Nolde hat einen Luftfilter angeschafft. Ein zweiter sei zurzeit nicht zu kriegen, berichtet er.
Foto: Dierk Hartleb

Bei den Damen sind es meistens die Ansätze, die auf frische Farbe warten. Die Hauptleidtragenden bei den Herren sind die Kurzhaarträger. Die größte Herausforderung stellen die Selbstversuche dar, mit deren Langzeitfolgenbeseitigung die Haarprofis am längstem beschäftigt sind. Schnelligkeit zählt beim Tönen mit der richtigen Farbe ohnehin nicht.

Die Dauer der Behandlung ist aber auch für die Publikumsfrequenz nicht ganz unerheblich. Die Zahl der Menschen einschließlich der Mitarbeiter, die sich gleichzeitig im Salon aufhalten dürfen, ist begrenzt, weil jeder Kunde Anspruch auf zehn Quadratmeter hat. Was mehr sein könnte als in manchem Supermarkt zu Stoßzeiten.

Bloß keinen dritten Lockdown

Zusätzlich zu den bereits bestehenden Hygienevorsichtsmaßnahmen hat der Friseurmeister für den Betrieb auch noch in einen Luftfilter investiert, der die schwebenden Partikel aus der Luft filtert und damit die Virenlast reduziert. Andreas Nolde würde gern noch ein zweites Gerät installieren, aber der Markt ist derzeit leer gefegt.

Seine größte Hoffnung? Dass die Politik nicht noch mal das ganze Land in den Lockdown schickt. Die zweite Schließung habe nicht nur fast doppelt so lange gedauert, sondern sei auch schwerer zu ertragen gewesen, weil sie komplett in die Wintermonate fiel. „Da fällt einem die Decke schon mal auf den Kopf“, resümiert Nolde. Zumal, wenn alle im familiären Umfeld im selben Beruf tätig seien.